Freiheit

Sie ist wie ein neu geboren Kind,
ungebunden, wie der Wind,

der weht durch’s Haar und ins Gesicht,
ohne Zwang, einfach, schlicht,

für sich allen und souverän,
den eig’nen Weg zu geh’n,

für sich selbst den Mann zu steh’n,
sich nicht nach fremden Fahnen dreh’n,

selbst im kleinsten Kreise,
anzutreten seine Lebensreise,

in der Obhut derer die du gerne hast,
autonom und ohne Last,

so will ich sie sehen,
so will ich sie verstehen,

doch die Gesellschaft, unsichtbarer Mächte,
gibt Pflichten dir und Rechte,

setzen dich in einen Rahmen,
gibt Nummer dir und einen Namen,

jeder Deiner mühsam’ Schritte,
wird verfolgt durch aufmerksame Dritte.

Nicht nur der Vogel der am Himmel schwebt,
sogar der Frosch, der im Teiche lebt,

in dem er allen Mitbewohnern gleich,
frei ist, im eig’nen kleinen Reich.

Die Kraft der Ruhe

Es ist so ruhig, es ist so still,
daß ich die Wolken ziehen hören will,

hoch oben zwischen Kiefern, Latschen, Föhren,
nur der Wind ich kann ihn säuseln hören,

hab’ unter Frust und Streß gelitten,
schau’ apathisch rein in’s Tal das in den Berg geschnitten,

von des Berges Gipfel rein und karg,
der Frust, der Streß … sie waren arg,

muß endlich Frieden finden,
mich mit der Natur verbinden,

die Nacht sie dämmert, das Licht wird schal,
der Schnee fällt leise in das tiefe Tal,

der Schnee fällt auf’s Gebirg’ hernieder,
ich atme tief und ruhig – immer, immer wieder,

die Ruhe die ich so begehrt,
hat sich in meinem Innersten bewährt,

sie ist von einer Kraft,
die nicht von Menschen Hand geschafft.

Herbst

Der Tag ist kurz, schräg das Licht,
das in der frühen Dämm’rung bricht,

und ockergelb die Luft erfüllt,
die den kunterbunten Wald umhüllt,

ob doch klar in die Fern’ die Sicht,
das Waldes Tiere Fell wird dicht,

die kleinen Nager sich mit Nüß’ beladen,
der Nebel zieht herum in Schwaden,

Zum Schluß verbleiben Zweige nackt,
das färbig’ Laub das hat der Wind gepackt,

wie einen Teppich auf den Boden ausgebreitet,
als hätt’ er ihn für’n Winter schon bereitet,

den bald wird aus feuchtem kalten Nieseln,
ein stilles weißes Rieseln.

Flucht

Bin geflohen vor Streß und Frust,
wie weit, wohin, hab’s nicht gewußt,

hab’ im Gebirge mich verkrochen,
hab’ mit der Stadt, dem Druck, dem Zwang gebrochen,

ich weiß, daß eine Flucht,
niemals erntet süße Frucht.

Doch dort war’d mir beschieden,
Ruhe, Kraft und Frieden,

Jetzt wo Ruhe, Kraft und Frieden mir beschert,
bin ich an meinen Ausgangspunkt zurückgekehrt,

schreibe einen Strich vor einen Neubeginn,
und aus meiner Flucht erwächst ein jäher Sinn.

Winter

Von unberührtem Weiß ist der Wald,
die Luft ist klirrend kalt,

totenstill und tief verschneit,
eis’ge Zapfen an einand’ gereit,

obschon die Sonne lacht,
ist’s eine frostig Pracht,

spät beginnt der Tag,
der nicht lang verweilen mag,

in den kalten Nächten langer Dunkelheit,
macht der Frühling sich bereit,

der lang genug gedöst,
die Natur vom tristen Weiß erlöst.

Ausstieg

Du lebst in einer Stadt,
die Flair und Zukunft hat,

die noch nie von einer Dürre lahm gelegt,
über die noch kein Orkan gefegt.

Die Menschen sind bequem,
sozial ist das System,

die Wirtschaft blüht, sie ist zu seh’n,
schlicht – ein Leben schön und angenehm,

Du hast Arbeit, Wohnung und zu Essen,
trotzdem bist du d’rauf versessen,

einzutauchen in ein fremdes Land,
das dir gänzlich unbekannt.

Dort herrschen and’re Sitten,
and’re Bräuche and’re Riten,

du bist das Klima nicht gewöhnt,
aus dem Mund der Menschen eine Sprache tönt,

der kannst du nicht parieren,
ihre Schrift nicht dechiffrieren,

und weil alles so konträr,
ist es unvergleichlich schwer,

zu beschreiben was dich hält,
in dieser fremden Welt.

Warum bist du wild darauf?
Warum nimmst du das in Kauf?

Ist es der Freiheitsdrang?
Rein die Flucht aus dem Zwang,

zu erreichen, mit Anzug und Krawatte,
die viel zu hoch gelegte Latte,

und vor dem was ich am meisten hasse,
nämlich, mit zu schwimmen in der Maße,

ständig zu beweisen,
ich hab’ Geld für weite Reisen,

ich hab’ den besten Job,
ich bin der größte Snob,

wenn kein Benz aus der Garage lacht,
in der ägäis fehlt die Yacht,

bist du unten durch,
bist du Abfall, bist du Lurch.

Gemessen wird mit einem Lineal,
doch mißt es nicht dein Ideal,

du wirst gemessen und geeicht,
danach wie hoch dein Pegel reicht,

in deines Geldes Speicher,
denn du bist besser – um so reicher.

So ist’s das bloße streben,
nach dem nackten Kampf um’s überleben,

wo du ein Mensch noch bist,
der lediglich des Lebens fähig ist.

Feminin

Einen kühlen Rücken hat die Nacht,
doch wenn ich’s genau betracht’

ist sie im Herzen warm,
ist attraktiv, hat Charm.

Tief blau wie Samt ist die Nacht,
leuchtend gelb der Mond wenn er erwacht,

von Sternen wird erhellt
das ganze Himmelszelt,

Berge leuchten in der Dunkelheit,
es glänzt ihr karges Kleid,

Wolken ziehen, wie Schatten
die niemals einen Körper hatten,

wie Spitzen, weiß gesäumt sind ihre Ränder,
kennen keine Grenzen, ziehen über alle Länder,

sieh’ den Silberstreif am Dach der Welt,
s’ist ein Stern der auf die Erde fällt,

so stellt die Nacht ihr Spiel zur Schau
so ist kein Mann, nur eine zarte Frau.

Der Anfang vom Ende

Du bist unheilbar krank
Diagnose: unbekannt,

die ärzte sich in ihren weißen Kitteln ducken,
ratlos mit den Achseln zucken,

in deinem Hirn dich immerwährend plagt,
was an deinen Eingeweiden nagt,

innerlich macht Angst sich breit,
obwohl zum Kampfe du bereit,
gegen Krankheit – gegen Leid,
in der verbleibend’ Zeit.

In dir selbst du bist entzweit,
zum einen in Mut und Tapferkeit,
zum anderen in blanken Neid,

rund um dich gesunde nur zu sehen,
kannst und kannst es nicht verstehen,

daß da etwas ist,
das dich ganz und gar zerfrißt,

nicht um’s verrecken,
kannst dich davor verstecken,

du kannst umrunden den ganzen Globus,
beten zu Deimus und Phobos,

die Götter verdammen,
einen Pfahl in die Hölle rammen,

es versagt der Versuch zu entfliehen,
es läßt dich nicht deines Weges ziehen,

so schnell du auch rennst,
du am End’ erkennst,

daß du stehst allein auf Mutter Erde,
hast zu warten was da werde.

Wüste

Unermüdlich brennt der Sonne heiße Glut,
sie unerbittlich auf Deinem Haupte ruht,

aus feinsten Körner ist der Wüste Sand,
der wie von unsichtbarer Hand,

von heißem Wind getragen über Land und Düne,
die der Natur und der Kamele Bühne,

es fehlt an grünem Gras und Pfirsichbäumen,
es ist das kühle Naß, der Regen, wovon die Menschen träumen,

nicht nur, in seinem Zelt der Beduine,
nein, auch der Scheich in seiner Limousine.

auch das ist Gottes Gabe,

doch was ist ein reich gedeckten Tisch,
ohne einem Krug von Wasser, kühl und frisch.

Das Ende vom Anfang

Jeder will dir etwas schenken,
keiner will dich kränken,
es versuchen alle dich zu lenken,
raten dir: an sie selbst zu denken,

Naturheilkunde in Tabletten,
ein Spital mit wenig Betten,

von der neuen unbekannten Therapie,
bis hin zur dummen Scharlatanerie.

Hört zu ihr Kranken dieser Welt,
nützt es besser euer Geld,

nur ihr allein seid in der Lage,
klar zu kommen mit der Frage:

Will ich weiterhin im Leben stehen,
oder siechend über’n Jordan gehen?

Leb’ dein Leben wie gehabt,
in dem du dich bisher gelabt.

Schwör beim Blut in deinen Adern,
mit dem Schicksal nicht zu hadern,

laß strömen deines Lebens Saft,
nimm deiner Arme ganze Kraft,

und halt es fest mit eis’ner Faust,
das Leben in das du schaust,

in dem du selbst die reflektierst,
wenn Lebensenergie du absorbierst,

in reichen Maß, in hohem Schwall,
mit einem Urknall.