Sie

Wir können sie nicht käuflich erwerben, nicht mieten, nicht leasen, haben keine Macht über sie. Weder fassen noch beeinflussen, nicht stoppen, umkehren oder beschleunigen, auch nicht eingreifen in sie – einzig die Fähigkeit sie zu messen ist uns gegeben, sie einzuteilen sie zu beobachten, katalogisieren, mit ihr zu rechnen sie zu berechnen und mit ihr zu leben. Aber keinesfalls ohne sie.

Sie diktiert uns hemmungslos, ist in unserem Bewußtsein fix verankert und graviert sogar ihre Initialen in unser Unterbewußtsein. Wir müssen uns fügen uns an ihr orientieren, Schritt halten unser ganzes Leben ihr angleichen – sind also bedingungslos ausgeliefert.

Sie hat uns in der Hand, saugt sich fest an unserer Lebensader, während sie ihre von Präzision geschärften Nägel tief einkrallt in die fleischige Substanz unserer Läufe bewegt sie uns teils gleichlaufend und rhythmisch, bald gemächlich sanft, dann hektisch, reißersisch und energetisch kraftvoll. Gleich einem Fluß der sich ins Meer ergießt unterliegen wir ihr bis sie gekommen ist…

… sie die Zeit der irdischen und endlichen Existenz den Rücken zu kehren und Eintreten in die Nächste.

Sie aber endet nicht, sie die Zeit, sie ist unendlich und ewiglich.

Zivilisation

Eine Agglomeration an Menschen in einem Gebiet wo jeder ein Stück sein Eigen nennt und jeder von ihnen auf seine Weise wirkt. Sie stellen her, handeln, verwalten oder regieren. Alle nutznießen nicht nur von den eigenen, sondern auch gegenseitig von den Tätigkeiten der Anderen.

So rotten sich immer mehr kluge, gute, fleißige, dumme, böse und faule auf engsten Raum zusammen. Nach der Auffassung des Einzelnen ist manche Handlung im Sinne der Allgemeinheit, und andere nicht.

Um das Leben und Schaffen, um das Ringen um die Existenz in solchen Zentren für alle gleich zu gestalten werden von der Gruppe selbst Gesetzte erlassen die für alle gleichermaßen Gültigkeit haben und sie treiben Wirtschaft miteinander, füreinander und gegeneinander und alle profitieren.

Der Überlebenskampf mündet in Wohlstand. Die Werte des Seins wandeln sich von täglicher Nahrungsbeschaffung hin zu den Moral und Ehrbegriffen die der Mensch für sich selbst geschaffen hat.

Begriffe die in den Augen der meisten nur für die Anderen gelten. Für einen selbst ist nur wichtig wie reich, wie gut und wie schön er nicht ist. Ergo besser als die Andern. Es ist unumgänglich sich einigen Anforderungen der Gemeinschaft zu unterwerfen um von dieser akzeptiert zu werden und in ihr bestehen zu können.

Dazu gehören so banale Dinge wie: Bitte, Danke, die Hand beim Niesen vorzuhalten, das Grüßen. Aber muß man jemanden grüßen den man nicht ausstehen kann, nur weil er der Nachbar ist? Sauberkeit und Körperpflege? Ja? Aber muß ich Anzug und Krawatte tragen um anerkannt zu werden?

Wer nichts ist und wer nichts hat, ist minder, ein Mensch zweiter Klasse, wird ausgestoßen aus der sogenannten Sippschaft in eine andere Lebensform, in eine andere Kultur die sich innerhalb der Gehobenen gebildet hat wo sich diejenigen treffen die sich nicht mit den hohen Begriffen der Oberen identifizieren können oder wollen.